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Bilderklärung

1.) Dresden, Frauenkirche von Südwest, Aufnahme um 1900; © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen Dresden

2.) 3D-Modell für den Wiederaufbau der Frauenkirche, Dresden; © Stuttgart, IBM Deutschland

3.) Dresden, Frauenkirche, Zustand 2003; © Bad Honnef, Marie-Luise Preiss

Das Original und seine Abbilder

Restaurieren - Sanieren - Rekonstruieren von Denkmalen
Die Frage nach dem Wert eines originalen Kunstwerks im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit hat die Kunstwissenschaften, hat Philosophie und Denkmalpflege nicht erst nach dem wegweisenden Aufsatz von Walter Benjamin und seiner Auseinandersetzung mit dem Begriff der Aura in ihrem Bann gehalten. Wenn Originale vermeintlich perfekt kopierbar und fabrikmäßig herstellbar sind, stellt sich die Frage nach der Bewahrung des Historischen gewissermaßen automatisch. In der Geschichte der Denkmalpflege ist das untrennbar verbunden mit der Debatte um das Heidelberger Schloss und die beabsichtigte Neuschöpfung der Dächer des Ottheinrichbaus. Georg Dehio, einer der so genannten Gründerväter der modernen Denkmalpflege, hat im Zuge dessen die "Aura" des originalen Geschichtszeugnisses so nachhaltig beschworen, dass die Denkmalpflege sich fortan an diesem Credo orientiert hat. Die Bedeutung der Baudenkmale als authentische historische und baukünstlerische Quellen ist für die Denkmalpflege seither untrennbar verbunden mit ihrer überlieferten materiellen und baulichen Gestalt. Als historische Zeugnisse sind sie so unwiederholbar wie die Geschichte selbst.

Die Debatte um Original, Kopie und Ergänzung war mit der Beilegung des Heidelberger Schlossstreits jedoch auch für die Konservatoren nicht endgültig beendet. Immer wieder in der Geschichte des 20. Jahrhunderts sahen sie sich mit dieser "Gewissensfrage" konfrontiert. Vor allem sollte der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg vielerorts nach anderen Kriterien erfolgen, sollte die als notwendig empfundene Wiedergewinnung von Baudenkmalen wie etwa des Goethehauses in Frankfurt am Main, der Münchener Residenz oder der Altstadt von Rothenburg ob der Tauber Vorrang erhalten vor der Bewahrung historischer Spuren. Inzwischen haben auch diese Denkmale des Wiederaufbaus in den Augen der Öffentlichkeit den Status von Denkmalen eingenommen.

Ähnliches gilt für viele in späterer Zeit rekonstruierte Bauten. Dabei können sie – so perfekt sie auch hergestellt sind – über die Geschichte, auf die sie zeichenhaft verweisen, nicht mehr aussagen, als dass sie deren historisches Erscheinungsbild in Erinnerung rufen. Das originale Denkmal dagegen ist mehr als eine Fassade. Zu seinen unverwechselbaren Besonderheiten zählen auch die ursprüngliche Raumaufteilung, die historischen Materialien, am Bau nachgewiesenen Handwerkstechniken, die authentische Ausstattung oder Farbigkeit. Dennoch gehören bei Maßnahmen an Denkmälern auch Rekonstruktionen seit langem zum Alltag der Denkmalpflege. Teilrekonstruktionen wie der Nachbau verlorener Fenster, die Ergänzung einer barocken Dreiflügelanlage durch die Rekonstruktion eines zerstörten Flügels oder die konservierende Überdeckung originaler Wandmalereibefunde und anschließende rekonstruierende Übermalung sind anerkannte denkmalpflegerische Vorgehensweisen. Auch in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Denkmalen spielen Kopien bzw. Reproduktionen naturgemäß eine große Rolle – angefangen von Fotografien und Grafiken bis hin zu Modellen und digitaler Dokumentation. Sie alle helfen, das Original zu erforschen und in seiner Besonderheit zu verstehen, ersetzen können sie es jedoch nicht.

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