Das Frankenberger Viertel

Das Frankenberger Viertel

Die 1872 gegründete Aktiengesellschaft Frankenberg erwarb die zur Burg Frankenberg gehörenden Ländereien auf dem Gebiet der eigenständigen Gemeinde Burtscheid östlich des Aachener Stadtkerns und stellte für das im Süden durch die Bahntrasse begrenzte Gelände einen Bebauungsplan mit rechtwinkligem Straßennetz auf. Die Hauptachse und ursprüngliche Nordgrenze des Viertels, die breit angelegte, von West nach Ost verlaufende Oppenhoffallee (ursprünglich Kaiserallee), wird gekreuzt vom Straßenzug der vom nördlich gelegenen Ostfriedhof herankommenden, schmalen Viktoriastraße und der repräsentativ gestalteten Viktoriaallee mit der als Point de Vue erhöht liegenden Herz-Jesu-Kirche im Süden. Schräg auf die Burg Frankenberg zulaufende Straßen beziehen die Grünanlage mit dem namengebenden Gebäude in den Straßenraster ein. Ohne städtebaulichen Akzent ist der Neumarkt geblieben. Die Erschließung und drei- bis viergeschossige Bebauung erfolgte von 1874 bis zum Ersten Weltkrieg, wobei die meisten Gebäude im letzten Jahrzehnt des 19. Jhs. entstanden.

Geplant war anfangs ein Viertel ländlich-villenartigen Charakters; dem entsprechen die wohl als Musterhäuser von der Aktiengesellschaft errichteten palaisförmigen Gebäude am Anfang der Oppenhoffallee, Nr. 2 (1874, abgerissen) und Nr. 4 (1876). Die weitere Bebauung in meist geschlossener Bauweise ließ ein städtisch-bürgerliches Wohnviertel entstehen, überwiegend mit großzügigen Einfamilienhäusern, seltener Etagenmietshäusern mit meist einer abgeschlossenen Wohnung pro Etage, nur vereinzelt größeren Stadtpalais mit Nebengebäuden im Hof. Die Straßenzüge sind gekennzeichnet durch die Reihung von Fassaden nach dem Schema des schmalen Aachener Dreifensterhauses; die Grundrisse variieren auch in breiteren Häusern kaum. Große Lebendigkeit erhalten die Straßenfronten dank einer variantenreichen Dekoration der einzelnen verputzten oder verklinkerten Fassaden mit repräsentativen Elementen unterschiedlicher historischer Stile. Akzente setzen die Eckbauten, gelegentlich auch aufwändig gestaltete Palais. Der überwiegend in Putz aufgebrachte Dekor wurde oft mit Hilfe von Schablonen oder aus serienmäßig vorgefertigten Elementen hergestellt.

In der frühen Phase war die Formensprache des Klassizismus bestimmend, der sich als lokale Tradition im Wohnbau bis um 1880 hielt (Lothringer Str. 86, 1877; Oppenhoffallee 4, 1876). Die während der Hauptbauzeit entstandenen Fassaden sind selten nur einem Stilvorbild verpflichtet (für die Neurenaissance Oppenhoffallee 6, 1875; für den Neubarock Haßlerstr. 21, 1897), sondern zeigen in oft eklektizistischer Weise unterschiedliche Formen vor allem der Renaissance, des Barock, des Rokoko und des Klassizismus, seltener zusätzlich der Romanik oder Gotik. Charakteristisch sind stilistisch übergreifende Gestaltungen ganzer Häuserzeilen oder Straßenabschnitte (Oppenhoffallee 47-65). Gegen Ende des 19. Jhs. leiten gelegentlich sehr eigentümliche Verbindungen (Triebelstr. 5, 1899) über zum Jugendstil nach 1900 (Bismarckstr. 110/ Viktoriaallee, 1910). Das gleiche Formenrepertoire prägt die vielfach erhaltene Dekoration der Innenräume.

Startseite mit Karte
www.dehio.org
Klassizismus
Lothringer Str. 86
Klassizismus
Oppenhoffallee 4
Neurenaissance
Oppenhoffallee 6, Oppenhoffallee 47-65
Neubarock
Haßlerstr. 21
Überleitung zum Jugendstil
Triebelstr. 5
 
  Jugendstil
Bismarckstr. 110 / Viktoriaallee